Clan Value - ein Vorwort

Die Lehre meines Lebens: Ich bin nichts ohne meinen Clan, mein Clan ist nichts ohne mich.

Ein klares Wertesystem. Zusammenhalt. Geborgenheit. Sicherheit. Dazu noch eine Prise Glück, einmal gut durchschütteln, und der Erfolg wird nicht lange auf sich warten lassen.
So weit, so naiv.

Als ich mich vor bald 20 Jahren daran machte, mein eigenes Unternehmen zu gründen, hatte ich all diese Begriffe als Komponenten meines zu entwickelnden Geschäftsmodells im Kopf. Ich wollte erfolgreich sein, dabei aber fair bleiben. Ich wollte Geld verdienen, dabei aber für meine Geschäftspartner glaubwürdig und berechenbar sein. Ich wollte meinen Ideen und damit auch meinem Unternehmen zum Durchbruch verhelfen. Und gleichzeitig sollte bei all dem nicht die Ellenbogenmentalität zu meiner Leitphilosophie werden. Ich wusste also ziemlich genau, was ich wollte. Noch nicht ganz so klar war mir, wie ich all das erreichen konnte.

Heute, viele Erfahrungen später, weiß ich: Was immer ich erreicht habe, verdanke ich meinem Clan.

Nichts wäre ich ohne meine Partner, ohne meine Mitarbeiter, ohne meine Familie, ohne meine Kunden. Kein Risiko hätte ich so bereitwillig eingehen können ohne all jene Sicherheiten, die aus meinem eng geknüpften Beziehungsnetz erwachsen – aus Freundschaften und Partnerschaften, aus Verbindlichkeiten und Vertrauen, aus kleinfamiliärem Rückhalt und großkalibriger Hilfsbereitschaft.

Heute weiß ich auch, dass Familie und Unternehmen zwei Seiten derselben Medaille sind. Dass mein Betrieb zur Familie gehört. Und meine Familie zum Betrieb. Dass ich als Unternehmerin, als Mutter, als Tochter, als Schwester erfolgreich, stark und zuverlässig sein kann, weil ich meinen Clan schützend um mich weiß. Weil ich mich geborgen und notfalls auch abgeschirmt fühle. Weil ich mich auf Lolo Pitzal verlassen kann: Sie ist meine Schwester und zugleich jene Anwältin, der ich und meine Mitarbeiter am meisten vertrauen. Weil ich weiß, dass Hans Spann zu mir hält, wie es ein Bruder tun würde – obwohl er nicht mit mir verwandt ist, sondern seit langen Jahren unser Senior Consultant und einer der wichtigsten Netzwerkpartner. Weil ich meine Freundin und Partnerin Madhu Einsiedler so gut kenne, dass ich mich ihr seit Jahren ohne Bedenken auch in heikelsten Situationen anvertrauen kann wie einer erwachsenen Tochter.
Kurz: Ich habe verstanden, dass mein Unternehmen erfolgreich ist, weil es funktioniert wie eine erweiterte Familie, wie ein Clan eben. Es bindet meine Blutsverwandten ein, bietet aber auch meinen zahlreichen Geistes- und Wahlverwandten Raum zur Entfaltung ihrer Kreativität.

Auf diesem Wissen baue ich seither auf. Ganz bewusst führe ich meinen eigenen Betrieb und auch meine Familie heute nach jenen Regeln, die wir alle als Heller-Clan im Lauf der Jahre gemeinsam entwickelt haben.

Diese Regeln sorgen dafür, dass wir einander mit Respekt begegnen. Dass wir uns gegenseitig motivieren. Dass wir mit viel Leidenschaft für unsere Kunden arbeiten. Dass wir ebenso leidenschaftlich aber auch die Pflege und den weiteren Ausbau unseres Clans betreiben.
Wir haben uns auf einen klaren Verhaltenskodex geeinigt. Damit stellen wir gemeinsam sicher, dass jeder von uns angstfrei seine Aufgaben in Unternehmen und Familie erledigen kann. Wir kümmern uns aber ebenso darum, dass diese Regeln auch in den Außenbeziehungen Bestand haben. Kunden, die einen oder eine von uns nicht diesen Leitsätzen entsprechend behandeln, werden sanft auf Kurs gebracht. Oder, im ganz seltenen Ausnahmefall, ebenso sanft wieder aus dem Kreis unserer Kunden ausgeschlossen.
Mit diesem Modell haben wir im Heller-Clan einen Weg gefunden, der uns auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten unserem Ziel näher bringt: Wir wollen bei all unseren gemeinsamen Unternehmungen erfolgreich sein. Zu dieser Regel gibt es nur eine einzige Einschränkung: Wir wollen das, was wir tun, auch mit Freude tun.
Dass dies im heutigen Wirtschaftsleben – zurückhaltend formuliert – kein allgemein gültiges Ziel ist, ist mir bekannt: Weithin steht das Prinzip Profit einsam an der Spitze der Prioritätenliste; weit abgeschlagen rangieren so genannte weiche Faktoren. Werte etwa. Oder Visionen.

Mir ist auch nicht entgangen, dass die egozentrierten Modelle der Geschäftsorganisation immer noch von vielen als der Weisheit letzter Schluss verstanden werden.

Ich sehe, dass die Entwicklung der Unternehmenswelt heute stark geprägt wird von den Geschäftspraktiken der internationalen Konzerne, obwohl der allergrößte Anteil der Unternehmen heute in der Form des Familienbetriebes geführt wird.

Ich weiß, dass immer mehr Menschen ihrer beruflichen Tätigkeit im Rahmen einer einsamen und schutzlosen Ich-AG nachgehen.
Und aus eigener, bitterer Erfahrung kann ich schließlich bestätigen, dass Familien zerbrechen. Immer häufiger werden sie fortan als Haushalt mit nur einem Erwachsenen geführt.

Genau deshalb, weil ich weiß, dass die Dinge so sind, wie sie sind, will ich dagegenhalten.

Weil ich sehe, dass Familienbande allein heute oft nicht mehr stark genug sind, will ich Ihnen auf den folgenden Seiten das Modell des Clan Value als eine besonders tragfähige Alternative anbieten.
Weil ich bei meiner Tätigkeit als Unternehmensberaterin immer wieder erfahre, dass kleine Familienbetriebe oft mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind wie die lokalen Units global agierender Konzerne, kann ich das Clan-Konzept hier als nahezu universell umsetzbar präsentieren: Nicht nur dem Klein- oder Mittelbetrieb eröffnen die Strukturen des Clans neue Welten. Auch Wohltätigkeitsverbände oder Fußballvereine, After-Work-Organisationen wie die Rotarier oder politische Parteien können – sofern sie eine Vision und das Prinzip der Ehrlichkeit teilen – nach den Clan-Prinzipien organisiert und geführt werden. Die Größe eines Unternehmens ist dabei nicht relevant; wichtig ist zuerst der Wille, etwas Besonderes, etwas Einzigartiges zu schaffen.
Aus all diesen Gründen ist dieses Buch als Handlungsanleitung und Wegweiser für Menschen mit unterschiedlichsten Ansprüchen konzipiert: Es beschreibt Entwicklungsschritte hin zur Clan-Struktur, die einfach, zielorientiert und schnell umsetzbar sind. Es bietet eine Fülle an Soft facts, die bei der traditionellen Unternehmensberatung gern vernachlässigt werden. Kategorien wie Mut, Hoffnung, Zivilcourage oder Experimentierfreude sind beim Realisieren des Clan Value so wichtig wie die Luft zum Atmen.

Schließlich ist das Buch auch als Anstoß für einen gesellschaftspolitischen Diskurs zu lesen: Wo der Shareholder Value immer stärker in der Sackgasse der Arbeitsplatzvernichtung mündet, lässt sich der Clan Value als Sinn stiftender und Arbeit schaffender Ausweg gestalten. Wo die Menschlichkeit zu kurz kommt, weil anonymes Kostenmanagement Religionscharakter angenommen hat, bietet sich der Clan als Heimat an: Wo der Mensch mehr Zeit mit seinen Arbeitskollegen als mit seinen Kindern verbringt, dort wird es für den Unternehmer geradezu zur Pflicht, den Mitarbeitern eine Heimat zu schaffen, eine Umgebung, die animiert, eine Atmosphäre, die zu Höchstleistungen anspornt.

In diesem Sinn ist dieses Buch eine Aufforderung an Sie, kreativ zu sein. Experimente zu wagen. Unkonventionelle Wege zu gehen. Solange Sie auf die Sicherheiten des Clans bauen, können Sie sich getrost auch auf ungesicherten Routen bewegen und in bislang unerforschte Regionen vordringen.

So, wie Sie auf Ihrem Lebensweg immer wieder Tore und Türen öffnen, um zu neuen Herausforderungen, Chancen und Möglichkeiten vorzudringen, so lassen sich auch die folgenden Kapitel wie Räume begehen. Sie können dabei das große Tor aufstoßen, um sich anschließend Raum für Raum in der vorgegebenen Reihenfolge anzueignen. Sie können sich aber auch einfach treiben lassen und erst einmal eine beliebige Tür öffnen. Was Sie dahinter finden, wird Sie inspirieren und animieren, immer weiter zu gehen. Auch über das Buch hinaus.

Welchen dieser Wege Sie auch wählen – folgen Sie mir! Dann öffnet der Clan Value auch Ihr Tor zum Erfolg.