Willkommen im Clan: Über die Räume und ihr Inventar.

Jetzt habe ich Sie also dort, wo ich Sie haben wollte: mittendrin.
Sie haben einen ersten Schritt gemacht (danke!). Sie haben das große Tor geöffnet und die dahinterliegende Eingangshalle erkundet. Sie haben dort von den rauen Sitten der schottischen Clans und von der zielstrebigen Sanftheit einer Schweizer Clan-Chefin gelesen. Und jetzt haben Sie auch noch die erste Tür aufgemacht.

An dieser Stelle muss ich Sie kurz warnen: In einem der Räume, die Sie nun betreten, werden Sie auch einen kleinen »Exkurs über den Sex im Clan« finden. Dass dies eine brandgefährliche Sache ist, wissen zumindest all jene unter Ihnen, die Jean Gabin im grandiosen französischen Mafia-Film »Le Clan des Siciliens« gesehen haben.

Ich weiß natürlich, dass Sie nicht deshalb hierher gekommen sind. Das Reißerische ist Ihre Sache nicht. Das Schmuddelige sowieso nicht. Die Schlagzeile »Der Kennedy-Clan: Sex, Drugs, saure Gurken« würde Sie nie zum Kauf einer Illustrierten bewegen. Und auch Kitty Kelleys saftig-unkorrektes Enthüllungsbuch über den Bush-Clan (»Sex, Drogen und brutale Politik«) haben Sie ausgelassen. Sie sind schließlich, deswegen lesen Sie Bücher wie dieses hier, ein ernsthafter Mensch.

Trotz alledem: Ich kann Ihnen (und mir) das Thema nicht ersparen. Wer wissen will, wie der Clan funktioniert und wächst und gedeiht, muss die Regeln kennen. Und die Grenzen. Wer über Werte und Gefühle im Clan sprechen will, wird sich mit Grausen auch an jene Weihnachtsfeier erinnern, bei der uns der Prokurist nach einigen Gläsern Sekt-Orange immer näher ... Nun, genau davon später mehr: Auf Seite 105 verrate ich Ihnen, warum Sie den Film über den »Clan der Sizilianer« auf jeden Fall sehen sollten. Fürs Erste will ich die Sache nur mit einem kleinen Zettelkasten illustrieren.

Zettelkasten
Der korrekte Umgang mit der Trinkerei
Man kann nicht vorsichtig genug mit seinem Verhalten bei Feiern sein. Wie ich auf verschiedenen Festen beobachten konnte, beugen sich die meisten Männer über nichts anderes als ihre Getränke. Trinken ist erlaubt, tut es jemand dann, wenn er es tun sollte. Wenn nicht, sieht er schmachvoll und plump aus, seine täglichen geistigen Gewohnheiten und sogar sein wahrer Charakter offenbaren sich. Sei dir klar darüber, dass ein Fest eine öffentliche Funktion hat.
(Tsunetomo Yamamoto: Hagakure. Der Weg des Samurai,
Piper Verlag, München 2000)

Nun aber zum Grundsätzlichen: Jeder Clan braucht Regeln. Was der britische Ethnologe Sir James Frazer von den Regenmachern bei den Clans der Massai erzählt hat, schildert uns der Japaner Yamamoto Tsunetomo am Beispiel der Clans der Samurai: Das Leben im Clan basiert auf einem klaren Verhaltenskodex.

Tsunetomo war im Jahr 1668 – als Neunjähriger schon – in den Dienst des zweiten Fürsten des Nabeshima-Clans berufen worden. Im Alter dann ordnete er die Lehren dieses Samurai-Clans für jenes Regelwerk, das heute als Hagakure bekannt ist. Wer zeitlose Weisheiten schätzt, dem sei das Büchlein hiermit empfohlen:
»Ein Gefolgsmann des Nabeshima-Clans benötigt weder übertriebene Lebenskraft noch besonderes Talent. Er muss nur bereit sein, den ganzen Clan auf seinen Schultern zu tragen. Kein Mann ist einem anderen von Geburt an unterlegen. Keine Übung kann Früchte tragen, bevor ein Mann nicht bereit ist, sich als Einzigen im Clan zu sehen, der den Frieden in der Provinz des Fürsten bewahren kann.«
Abgesehen davon, dass wir heute selbstverständlich nicht so Frauen-los denken und formulieren würden, hält das Hagakure viel Anregendes für unsere Zwecke bereit: »Sei zu Besuchern freundlich, auch wenn du beschäftigt bist«, heißt es da ganz simpel. Oder: »Sprich Worte der Ermutigung.« Oder: »Immer nur integer sein vereinsamt.«

Jeder Clan ist auf seinen eigenen Kodex eingeschworen. Auch meiner. »Hab keine Angst«, heißt eine der wichtigsten Regeln im Heller-Clan. »Umsatz um jeden Preis ist kein Ziel für uns«, besagt eine andere. »Uns sind junge Menschen wichtig, im besten Fall sind uns die älteren sogar noch wichtiger«, lautet eine dritte.
Wenn Sie also wissen wollen, wie auch Sie den Clan Value in Ihrem Unternehmen, in Ihrer Familie, in Ihrem Verein realisieren können, dann sollten Sie sich nun hinter den folgenden Türen, sprich: in den folgenden Kapiteln umschauen. Aus meiner eigenen Erfahrung, aber auch aus der anderer Unternehmer schöpfend, werde ich Ihnen in den Räumen hinter diesen vier Türen erzählen, wie der Clan funktioniert.

Wenn Sie über den angstfreien Umgang miteinander lesen wollen, dann sind Sie hier, hinter der ersten Tür, richtig.

Genauso gut könnten Sie aber auch vorgreifen: Die zweite Tür öffnet einen Raum, in dem von der Macht im Clan, von der Kraft der Frauen und von den Gefühlen die Rede ist.

Hinter der dritten Tür erfahren Sie, warum der gemeinsame Lohn wichtig, was Feste und Geschenke, Lob und Tadel im Clan bedeuten. Ich zeige Ihnen dort aber auch, wie der Clan generationsübergreifend funktioniert. Wie aus der Vergangenheit die Zukunft wachsen kann und was die Älteren anstellen sollten, damit auch die Jüngeren etwas davon haben.

Wer schließlich die vierte Tür öffnet, sieht sich mit der Kehrseite der Medaille konfrontiert: Weil nicht immer alles rosarot sein kann, bereite ich Sie hier auf die größeren und kleineren Krisen im Clan vor. Was tun, wenn aus Gruppendynamik Gruppenzwang wird? Was tun, wenn der Neid regiert? Was tun, wenn der Erwartungsdruck ins Unerträgliche steigt? Was also tun, um Ärger zu vermeiden und aus Krisen gestärkt hervorzugehen?

Wenn Sie fürs Erste lieber hier bleiben wollen – auch gut. Dann verrate ich Ihnen gleich eine der wichtigsten Regeln des Heller-Clans:
»Keine Angst! Die brauchen Sie nämlich nicht.«