Rezensionen

Interessante Stimmen zum Buch

Werner Fuchs, Propeller Marketingdesign, Zug
Ich liebe dieses Buch. Weil es Werte wieder belebt, die durch Akademisierung, Spaßkultur, Geniekult und Ich-AG-Mode in Verruf kamen. Weil es auf einem spürbaren Glauben beruht. Weil es Teilaspekte des menschlichen Zusammenlebens genau unter die Lupe nimmt und trotzdem mit dem Ganzen verbindet. Und weil es so gut zu meinem eigenen Glaubensmodell passt. Ohne vom Heller-Clan vor Ihrem öffentlichen Bekenntnis gewusst zu haben, fühle ich mich ihm verbunden.

Inzwischen mit einer gewissen Lebens- und Berufserfahrung ausgestatten und mit Erinnerungsspuren von unzählbaren Büchern behaftet, suche ich immer weniger nach dem Neuen. Wie der alte Goethe gehe ich nun davon aus, dass alles Wesentliche bereits schon mal gesagt wurde. Mein Fokus richtet sich also auf die Wahl des Glaubensmodells und die Form seiner Darstellung. Unter dieser Optik gesehen, verdient Elisabeth Hellers Buch ganz ohne Zweifel die Höchstnote und möglichst viele Leser. Sie glaubt daran, dass ein gut funktionierendes, durch persönliche Geschichten geknüpftes Netzwerk – der Clan – früher oder später zum Erfolg führt. Sofern der Clan von einem Geist erfüllt ist und ein paar unumstössliche Regeln befolgt. Und die Autorin veranschaulicht ihren Glauben an die Kraft des Clans so liebe- und phantasievoll, dass man ihr Bekenntnis gerne liest. Ein schöner Glaube, wundervoll präsentiert. Lob gebührt daher auch Rosebud Inc. für die Gestaltung aber selbstverständlich auch dem Verlag, der sich den finanziellen Mehraufwand für Schönheit nicht von den Lesern bezahlen lässt.

Was Elisabeth Heller unter Clan versteht, hat wenig mit einer rechtskonservativen Vorstellung von heiler Familie zu tun. Für einen Clan im Sinne der Autorin braucht es keine Blutsverwandtschaft, keine autoritären Patriarchen, keine mafiösen Gesetze und kein Rechts-um-in-die-gute-alte-Zeit. Es braucht „nur“ den Glauben an Strukturen, Werte und Regelungen, die Beliebigkeit und Jammerkulturen verhindern. Ein Clan ist kein paradiesisches Kunstprodukt, sondern ein lebendiges Netz von Menschen, die sich einer Idee verbunden fühlen. Der Idee nämlich, dass wir uns besser an dem orientieren, was uns getragen hat, was wir in seinen Grundzügen kennen. Wir sehnen uns nach den Geschichten, die uns Elsbeth Heller erzählt. Auch wenn darin Niederlagen und Rückschläge vorkommen, Zoff und Trennung, Einsamkeit und Verzweiflung. Davon berichtet die Clan-Autorin sogar sehr persönlich. Doch sie zeigt ihren Lesern, weshalb starke Banden auch Schwäche ertragen, und wie gemeinsame Vorstellungsbilder uns Hoffnung verleihen. Klingt in meinen Worten vielleicht pathetischer, als es sich die Autorin wünscht. Schliesslich ist sie Unternehmerin und will Unternehmen mit dem Clan-Ansatz zum Erfolg verhelfen. Daher verfällt sie nicht einfach in einen einlullenden Plauderton, sondern geht bei aller Bildhaftigkeit ihrer Worte und Beispiele sehr systematisch vor. Nach einem ersten Schritt und dem Blick hinter fünf Türen hat sie ihre Leser schliesslich so weit, sich ihren geheimen Wunsch endlich erfüllen zu wollen, Mitglied eines erfolgreichen Clans zu sein. Elisabeth Heller verführt uns, macht also bestes Marketing.

Im ersten Schritt führt sie uns in das Prinzip des Clan Value ein und gewährt uns durch „Das grosse Tor“ Einlass in bekannte Clan-Welten. Dann zeigt uns Elisabeth Heller, was sich hinter den fünf Türen der Burg verbirgt, die ein Clan bewohnt. Im ersten Raum lernen wir, was es für das Funktionieren eines Clans braucht. Dann erhalten wir Einblick in die Wachstumsabteilung und erfahren die Zusammensetzungen bewährten Nährlösungen. Und weshalb Wachstum allein keine Garantie für das Gedeihen ist, wird uns spätestens nach dem Verlassen der dritten Schatzkammer klar. Hinter der vierten Tür werden wir Zeuge, wie Clans streiten, mit Widerspenstigen umgehen, aber auch Frieden schliessen. Und weil kein ideales Clan-Mitglied vom Himmel fällt, dürfen wir auch den Trainingsraum besichtigen. Wem das alles nicht genügt, kann sich noch im blauen Teil des Buches tummeln, nüchtern als „Anhang“ bezeichnet. Da stösst er auf Mut- und Muntermacher, Krisenhilfen, ein Clan-Alphabet, Beispiele aus Literatur, Musik, Film und Küche sowie auf einen Zettelkasten mit Register. Und den Dank der Autorin an ihren eigenen Clan.

Mein Fazit: Ein wunderschönes und kluges Bekenntnis zu einer Idee, die selbst jene in sich tragen, die sie nicht leben. Elisabeth Heller gibt ihren Lesern Metaphern in die Hand, mit denen sich das scheinbar Komplizierte ganz einfach verstehen und weitergeben lässt. Hoffentlich nehmen viele dieses Angebot an.